4.400 Kreuze aus Merseburg in alle Welt -
die "Kreuz-Aktion" beim Internationalen Jugendtag

Niemand hätte gedacht, dass aus der spontanen Idee nach einem Gottesdienst eines Mittwochabends ein solches internationales und emotionales Projekt erwachsen würde, welches zwischendrin nicht nur einmal fast aufgegeben werden musste.

Einige Monate vor dem Internationalen Jugendtag der Neuapostolischen Kirche in Düsseldorf (IJT2019) überlegten die Jugendbetreuer René und Sebastian, wie sie einen Teil der Jugendlichen der Gemeinde nicht nur für die Teilnahme am IJT ermutigen, sondern auch einen eigenen Akzent setzen lassen könnten. Irgendetwas mit Holz sollte es sein, so war man sich einig, denn zur Gemeinde gehört auch Emanuel, der nicht nur Talent in der Holzverarbeitung hat, sondern auch eine kleine Hobbywerkstatt betreibt. Nach kurzer Rücksprache mit dem jungen Tischler kamen schon die ersten Ideen zur Herstellung von kleinen Kreuz-Anhängern. Ein paar Tage später stand ein grobes Konzept zur Umsetzung.

Akazienholz für die Kreuze

Akazienholz sollte es sein, so die Entscheidung - es ist nicht nur biblisch belegt (die Bundeslade war aus Akazienholz) sondern auch fester als beispielsweise einfaches Kiefernholz. Aus einer großen Platte wurden viele Leisten gesägt, die mit einer Fräse das Kreuz-Profil erhielten. Das war sehr mühsame Handarbeit. Fast einen Monat lang arbeitete Emanuel täglich nach der Arbeit mehrere Stunden in der Hobbywerkstatt am Projekt. Zwischendrin wurde klar, dass die Zeit bis zum IJT nicht mehr reichen würde, auch stellte sich Erschöpfung ein, so dass an einen Abbruch des Projekts gedacht wurde. Ein Teil der Fräsarbeit wurde daher an eine weitere Tischlerei abgegeben, damit in der kleinen Werkstatt bereits mit dem Bohren der Löcher, durch die später die Fäden gezogen werden sollten, begonnen werden konnte.

Zwei Stromausfälle sorgten für einen Abbruch der Arbeiten

Ein plötzlicher Stromausfall in der Werkstatt, wenige Tage vor dem IJT, ließen die Arbeiten ruhen. Glücklicherweise war es Mittwochabend und der Orgelspieler und Dirigent der Gemeinde, beide Elektriker, konnten nach dem Gottesdienst den Fehler lokalisieren und beheben. Bereits einen Tag später fiel der Strom aufgrund eines defekten Saugers nicht nur in der Werkstatt, sondern im ganzen Werkstatt- und Garagenkomplex aus. Aber auch der Fehler konnte schnell behoben werden.

Wortwörtlich bis zur letzten Minute arbeitete der handwerklich talentierte Jugendliche an den Profilleisten, so dass das Team rechtzeitig fertig wurde. Parallel wurden verschiedene Schnüre getestet und bestellt. Insgesamt mehrere Kilometer Schnur.

Rund 55 Stunden in der Sonne

Bereits einen Tag vor dem Start des IJT in Düsseldorf war der Kreuz-Stand fertig aufgebaut und die ersten Helfer und Aufbauer des IJT konnten als Testpersonen Kreuze absägen. Dabei stellte sich bereits heraus, dass fast ununterbrochen tagsüber an zwei Enden gesägt werden müsste um das komplette mitgebrachte Holz zu verarbeiten. Die Skepsis, ob überhaupt soviele Interesse an einen Kreuz-Anhänger haben würden, zerschlug sich bereits einen Tag später.

Der Andrang am Sägestand war nun doch größer als angenommen, so dass das dreiköpfige Team (Emanuel, René und Matthias), ab und an von weiteren Helfern des Netzwerks Apostolische Geschichte unterstützt, insgesamt über 55 Stunden am Sägebock standen. Spätere Nachrechnungen gehen von rund 4.400 gesägten Kreuzen aus.

Ausschuss wanderte nicht in den Müll

Ein nicht unerheblicher Ausschuss (schief gesägte oder gebrochene Kreuze) wurden gesammelt und unter anderem von einer Glaubensschwester mitgenommen, die diese etwas "besonderen" Kreuze ganz passend für ihre Trostarbeit im Trauergesprächskreis fand.

Keine Veranstaltung besucht - aber viel erlebt

Bis auf die Eröffnungsveranstaltung und den Gottesdienst haben Emanuel, René und Matthias nicht eine Veranstaltung besucht. Dafür war keine Zeit, denn der Andrang ebbte stets erst in den frühen Morgenstunden ab. Da war es sogar manchmal notwendig den einen oder anderen zum Essengehen zu nötigen. Und dennoch bezeugen alle drei noch nie einen so intensiven und inhaltsstarken Jugendtag erlebt zu haben. Wie kann das sein? Fragt man nach, so wird von unzähligen Geschichten, Unterhaltungen, Glaubenserlebnissen, emotionalen Momenten und Begegnungen erzählt, die am Sägestand oder Schleiftisch entstanden.

Aus allen Teilen der Erde kamen die Standbesucher, so sind "Kreuzesträger" aus nahezu allen Ländern Europas sowie aus einigen Ländern Afrikas, aber auch aus Australien, Asien und Nord- und Südamerika verbürgt. Auch wenn die Sprachverständigung daher nicht immer zu einhundert Prozent optimal war, so liefen alle Sägeschnitte unfallfrei von statten.

Sonderauflage in Arbeit

Drei Wochen nach dem IJT (siehe Video rechts) richtete sich das Team mit einem Video an die Besucher des IJTs und kündigten eine zweite Auflage der Kreuze an, die gegen eine kleine Spende für die Begegnungsstätte IMPULS, erworben werden konnten. Bereits eine Woche nach der Veröffentlichung des Videos waren Bestellungen über fast 100 Kreuze eingegangen, die nun - etwas entspannter - abgearbeitet werden.

Möge das Erlebte lange nachhallen und die Kreuze, die nun rund um den Erdball verteilt sind, die Träger an die schönen Tage in Düsseldorf erinnern und Mut und Hoffnung schenken als junger Christ durch die Welt zu gehen.

IMPULS Begegnungsstätte in Merseburg

Die IMPULS-Begegnungsstätte im Herzen der Merseburger Altstadt wird aktuell vom Netzwerk Apostolische Geschichte e.V. und vielen Spendern finanziert und zum großen Teil von Jugendlichen des Kirchenbezirks Leipzig aufgebaut und betreut. Als Mittelpunkt dient ein im Mai 2019 angemietetes Ladenlokal am Fuße des Merseburger Doms. Nach verschiedenen Renovierungsarbeiten, die allesamt ehrenamtlich erfolgten, beginnt nun die Einrichtungsphase. Demnach ist eine feierliche Eröffnung noch im Sommer 2019 geplant.